Angebot Kunstkritik

Florinda Ke Sophie bietet KünstlerInnen von ihr verfasste Texte als Kunstkritik für Marketingzwecke an. Die Kritiken können nach dem Kauf beliebig von den KünstlerInnen auf deren Websites, in Katalogen und sonstigen Werbeträgern veröffentlicht werden. Das Copyright wird mit dem Copyrightvermerk an die KünstlerInnen abgetreten, was bedeutet, dass bei jeder Veröffentlichung die Autorin genannt werden muss.

Vorgang: Die KünstlerInnen senden per Email oder per Post 10 Fotos eines Ausschnittes eines Bildzyklus, oder einzelner Werke, welche sie beschrieben haben möchten. Dazu weitere Informationen zur künstlerischen Tätigkeit, Vita, inneren Impulsen oder Motivationen, sofern vorhanden und erwünscht. Der Text wird innerhalb von 10 Tagen, eingehend auf das Oeuvre, Technik, Stil und persönliche Besonderheiten geschrieben. Eine herkömmliche Kunstkritik besteht bis zu 1500 Zeichen und 30 Zeilen, mit Times New Roman 14 pt geschrieben (siehe Beispiele).

Preis: Euro 100.-, bezahlbar als Vorauskasse mittels Überweisung. Die Kontodaten werden bei Auftragsbestätigung zugesandt

Ausführlichere Kunstkritiken können auf Anfrage und nach Absprache ebenso erstellt werden.

Beispiel 1

Personale "Zeit(t)räume" von Gisela Mack (BRD/Austria)

Gisela Mack wurde 1944 in Krieglach geboren und lebt seit 1971 in Bad Honnef in der Bundesrepublik Deutschland, wo sie sich seit 1988 konsequent künstlerischen Studien zuwendet. Mittlerweile auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zurückblickend, ventiliert sie in ihrem aktuellen Werkzyklus das Thema "Zeit(t)räume". Also einerseits das vergangene, gegenwärtige und zukünftige und andererseits die aus dem Unbewussten stammenden Phantasmen und Visionen, welche untrennbar mit dem Zeiterleben verbunden sind und das Dasein in Zeit-Räume aufgliedern und es begleiten.

Auf einem der vorliegenden Gemälde sehen wir eine Menschengruppe, die an eine Familienaufstellung erinnert. Im linken Bildteil sieht man eine Gestalt, welche groß erscheint und männlich wirkt. Sie hält auf dem rechten Arm ein kleines Kind, welches eine Mütze oder Kappe trägt. Beide Figuren sind gesichtslos, so, als sollten sie wie stumme Zeugen unerkannt bleiben. Wir sollen also nicht wissen, um wen sich vordergründig die Bildgeschichte dreht. Die Hand, welche das Kind hält, sieht überdimensioniert groß und stark aus. Man könnte daraus schließen, dass sie nicht gewillt ist, das Kind loszulassen oder frei zu geben. Diese ausdrucksstarke Hand demonstriert einen festen Halt in dieser von Unwägbarkeiten geprägten Welt.

Im linken hinteren Bildteil befindet sich eine weitere Figur, deren Gestalt durch ein langes Gewand auf den ersten Blick weiblich und erwachsen wirkt. Im Gegensatz zu beiden ersteren, kann man deutlich ein Gesicht erkennen. Diese Figur blickt aus dem Hintergrund auf das, was sich im vorderen Bildteil in Szene setzt. Diese Figur verfügt über keine Arme und Hände, was zum Ausdruck bringt, sie sei handlungs-unfähig oder handlungs-unwillig und könne daher in das Geschehen nicht ein-greifen.

Der vordere rechte Bildteil zeigt eine vierköpfige Gruppe von nicht unfröhlichen Kindern. Sie wirken wie ein kleiner Gesangschor, denn in ihren Gesichtern sieht man deutlich und einheitlich die Münder zu dem Vokal O geformt. Paarweise haben diese vier Figuren ihre Gesichter zueinander geneigt, als stünden sie sich wie Geschwister oder Freunde sehr nahe. Auch ihre Arme, die nur aus dünnen Linien bestehen, sind am unteren Ende derart miteinander verbunden, als hielten sie sich an den Händen. Auffällig dabei sind ihre dünnen und langgezogenen Körper, welche einen pubertären Wachstumsschub symbolisieren könnten. Und damit das herannahen der Erwachsenen-Zeit, für das sie noch nicht genügend gerüstet sind, weil die strichartig-angedeuteten Arme das Leben noch lange nicht richtig anpacken können. Weist uns hier die Künstlerin auf die menschlich infantile Neigung hin, sich lieber dem spielerisch-musikalischen hinwenden zu wollen, anstatt den Ernst des Lebens be-greifen zu müssen?

Wie im Traum, der in Nanosekunden erzeugten inneren Bildschau, manifestiert sich der momentane Ausdruck dessen, was gesagt werden will. Als Erinnerung von persönlich erlebtem, als Spiegel der Gesellschaft im Jetzt und als Möglichkeit des zukünftigen durch die Fiktion. Doch die Farbgebung des Bildes lässt uns nichts Hoffnungsvolles ahnen, da der Schwerpunkt auf der unbunten Farbe Grau liegt. Sie ist die Farbe der Neutralität, des bedrückenden, der Unsicherheit, der Eintönigkeit, des langweiligen, der Lebensangst, der Vorsicht und Zurückhaltung, aber auch der Kompromissbereitschaft. Mit dem oberen roten Farbrand hebt Gisela Mack das Grau gezielt hervor und erweckt den Schein, die Figurengruppe sei ein auf die Leinwand gebanntes Familienporträt aus einem Zeit-Raum, der auch ein Zeit-Traum ist.

© Text Florinda Ke Sophie, Graz 2008

Beispiel 2

Personale "Different Path", Bronze,
Tonskulpturen und Malerei von Jorge Gonzalez Velazquez (Mexico)


Haben Sie schon einmal Ihre Kultur verloren? Und was verbindet Mexico mit Österreich? Werfen wir einen Blick zurück und in die Gegenwart. Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph aus dem Hause Habsburg, bekannt als Kaiser von Mexico, Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Österreich ließ 1867 während des mexikanischen Interventionskrieges in Mexico sein Leben. Einhundert einundvierzig Jahre später begegnen wir einem Künstler, der von sich selbst sagt, er habe seine Kultur verloren. Eine Kultur längst vergangener Tage, geprägt durch den Wandel der Zeit, verändert durch Eroberungen und Kriege und letztlich durch die Einflüsse unserer europäischen Wertigkeiten. Olmeken von denen man weiß, dass sie ein Mischwesen, ein Kind-Jaguar als Gott verehrten etablierten sich vor rund 3000 Jahren und gaben ihr kulturelles Erbe an Zapoteken, Tolteken, Azteken und Mayas weiter. Die letzten bedeutenden olmekischen Zentren wurden ca. 400 Jahre vor Christi zerstört und hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf die nachfolgenden Völker Mexikos, die Entwicklung der Mathematik, der Architektur, der Astronomie und der Kunst.

1519 landete der spanische Seefahrer Hernan Cortez mit 500 Mann an der Mündung des Tabasco und die Eroberung und Christianisierung Mexicos nahm ihren blutigen Anfang. Es war der Beginn der Kolonisation durch die Spanier welche Mexico als Kronjuwel ihrer Kolonien behandelten und dem reichen Land keine Autonomie zugestanden. An die spanischen Siedler wurden große Ländereien, so genannte Haziendas verteilt, auf welchen indianische Sklaven arbeiten mussten. Es entwickelte sich eine Art Kastensystem - zuoberst in der Hierarchie standen reinrassige Spanier, gefolgt von den Kreolen, den in Mexico geborenen Spaniern, und der von Spaniern und Indios abstammenden Mestizen. Auf der untersten Stufe befanden sich die Indianer. Die nachfolgenden Jahrhunderte in Mexico waren durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt und führten zu einem hohen kulturellen Verlust. Ebenso wurde ein großer Teil des ursprünglichen Mexicos von den Amerikanern vereinnahmt. 1864 wurde der von Frankreich gesandte, österreichische Habsburger Maximilian eingesetzt und gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser von Mexico ausgerufen. Seine Herrschaft hatte gegen den vom Volk verehrten Benito Juárez aber keine Chance und endete 1867 vor dem Kriegsgericht, das ihn erschießen ließ. Benito Juárez überwachte die standrechtliche Exekution persönlich und setzte sein Reformwerk bis zu seinem eigenen Tod 1872 fort. Die Szene der Erschießung wurde von dem französischem Maler Edouard Manet 1868/69 in einem Tafelbild festgehalten und unterlag der damaligen Zensur im Pariser Salon, weil die Botschaft des Bildes lauten würde "Frankreich erschießt Maximilian".

Wir schreiben das Jahr 2008 und treffen auf einen Künstler, der sein kulturelles Erbe in stetigem Fluss weiter entwickelt hat, auch wenn er denkt es verloren zu haben. Seine Skulpturen sind archaische Expressionen sprechen Bände von der Suche das verloren geglaubte zurück gewinnen zu wollen. Velazquez wird 1966 in Mexico City geboren. Mit 18 Jahren beginnt er sein fünfjähriges Studium als Bildhauer an der National School of Painting and Sculpture "La Esmeralda" am National Institute of Fine Arts in Mexico City, an dem schon Frida Kahlo und Diego Rievera unterrichtet haben. Er gründet eine Familie und startet seine Karriere als Bildhauer. Die Liste seiner Exhibitionen und Werke, welche in Mexico an öffentlichen Plätzen ausgestellt sind, liest sich als never ending story. Ein wahres Highlight sind seine Bronzen mit einer Höhe bis zu 10 Metern und ebenso die 25 Meter hohe Skulptur "The broken christ" aus Fiberglas. Velazquez unternimmt Reisen nach Europa. Er besucht Frankreich, Italien, Ungarn und Österreich. 2005 wird er als Gastbildhauer zum Kongress "Woman and Migration" eingeladen. Er bildhauert eine grosse Sandsteinskulptur am Grazer Schlossbergplatz. Dort treffen wir uns zum ersten Mal und begründen unsere Künstlerfreundschaft, die in diesem November zu einem gemeinsam veranstalteten Bildhauerworkshop führt.

Seinen europäischen Wurzeln auf der Spur, modelliert Velazquez derzeit in Graz einen Zentauren, welcher seinen Bogen verloren hat und erschreckt die Arme zurück wirft. Er kreiert einen Faun, der sich in einen Menschen zurück verwandelt und ein Einhorn, dann fantastische Pferdeköpfe mit wehenden Mähnen, als wäre man ein Reiter und flöge mit dem Wind zurück bis in die Antike , sowie den expressiv gestalteten "Engel der Welt", der sein müdes Haupt wegen Überarbeitung aufstützen muss und sich in Kontemplation befindet. Es entstehen kleine Büsten, Katzenvariationen und anderes Getier, Hände und eine Madonna als Studien, die ohne Vorlagen oder Modelle nur seiner Fantasie entspringen und ein Genie erahnen lassen, dass den Höhepunkt seiner Schaffenskraft noch lange nicht erreicht hat.

© Text Florinda Ke Sophie, Graz 2008

Beispiel 3:

Personale "Papier mal drei" von Rhea Uher (Niederösterreich)

"Papier mal drei" heißt die Werkschau aus fliegenden Objekten, Aquarellen und des Kunstdruckkalenders 2009 aus dem Portraitprojekt der deutschen Künstlerin Rhea Uher. Die Künstlerin wurde 1959 in München geboren. Als Absolventin des Studiums der Kunstgeschichte ist sie seit 1986 freischaffend als Bildende Künstlerin tätig. Seit 1992 betreibt sie ihr Atelier in Niederösterreich und arbeitet in den Techniken Kohle, Pastell, Acryl und Aquarell, sowie Objektkunst. Mit den fliegenden Objekten in ihrer Personale "Papier mal drei" erobert Papier und Karton, das zu plastischen Figuren geformt wurde, den Raum und findet im Schattenspiel in die 2. Dimension eines potentiell bewegten Jetzt zurück. Anfänglich ausgehend von Körper, Gesicht und Auge in ihrer symbolhaften Bedeutung findet Rhea Uher in den neunziger Jahren eine allmähliche Hinwendung zu Tiersymbolen. Seit 2000 treten Zeichen und Ornamente in den Vordergrund. Diese Zeichensprache zieht sich als geistiges Kontinuum durch die Arbeiten und stellt eine Zugangsoption zum Unterbewusstsein des Betrachters dar. Äußere Eindrücke werden in komprimierter Form in eindrückliche Zeichen umgesetzt.

Die in der letzten Zeit nahezu monochrome Farbgebung in transluzentem Auftrag erschließt hierbei den emotionalen Zugang. Thematisch kreisen die Arbeiten um das kulturübergreifende Bedürfnis des Menschen nach Mitteilung in Bild, Schrift und Musik.

Rhea Uhers Stil spricht uns auf einer archaischen Ebene an. Die blaue Serie kühlt unseren Verstand nachhaltig, erinnert mit ihren oftmals griechischen Titeln an die Existenz längst vergangener Kulturen, welche sich mit ihren Botschaften als Chiffren in unserem Gehirn über die Jahrtausende eingegraben haben, wie das Geräusch der Wellen im Gang einer Muschel. Die Energie ihrer Bilder wiegt uns sanft in die Ablösung von einer Realität, die ihr unersättliches Streben dem Minimalismus von einfachsten Symbolen entgegensetzt.

In dem im Farbton Braun gehaltenen Bildzyklus "Minoischer Tag - Minoisches Blatt" strahlt erdige Ruhe auf uns ein, verbindet und verbündet uns mit Zeiten, in denen man noch nackten Fußes eben diese Farbe spüren konnte. Erkaltete Lava-Erde. Nächtlicher Wüstensand. Erd-Farbe. Erde, die Leben spendet, Erde, aus der wir hervor gegangen sind und Erde, von der wir uns getragen fühlen dürfen. Eine Erde, auf der wir unablässig unsere Spuren hinterlassen.

Formen, Linien, Zeichen und Ornamente ziehen sich wie ein Gesamt- Algorithmus durch Rhea Uhers Werk. Die Kulmination dieser konsequent durchgeführten Arbeit ist der außergewöhnliche Kunstdruckkalender, welcher in einem 3 Jahre andauernden Portrait-Projekt entstand und einen Augenschmaus der besonderen Art darstellt. Das Thema Portrait wird im soeben beendeten Projekt aus einer völlig neuen Perspektive interpretiert. Losgelöst von Gegenständlichem entstanden 12 Gemälde, deren Charakter in Farben und Zeichen chiffriert scheint.

Die zu Portraitierenden wurden vor dem Gemälde sitzend, analog zum dahinterliegenden Bild bemalt, so dass vor dem Auge des Betrachters, bzw. der Kamera, Gemälde und Person in eine mehrdimensionale Wechselbeziehung treten. Im Unterschied zum herkömmlichen Bodypainting ist das zu erst entstandene Gemälde, welches die bestimmte Facette einer Person beleuchten soll, das zentrale und ursprüngliche Thema. Für die Portraitierten hat sich über diese intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Bild eine besondere Beziehung zu dieser Form der Abstraktion und eine neue Selbstwahrnehmung entwickelt. Denn einen Körper zu bemalen, stellt einen nicht zu unterschätzenden Eingriff in die Privatsphäre einer Person dar. Dem Wesen nach an rituellen Bemalungen ursprünglicher Kulturen orientiert, entsteht ein dynamisches Beziehungsdreieck zwischen Bild, Modell und Betrachter. Durch den optischen Dialog des Gemäldes mit den Bemalten eröffnen sich dem Betrachter neue Interpretationsansätze einer gelungenen Fusion, die sich der Oberflächlichkeit und Gefälligkeit mit Magie zu entziehen versucht. Die in diesem spannenden Projekt entstandenen Fotos sind im vorliegenden Kunstdruckkalender für das Jahr 2009 dokumentiert und komplettieren die ein- bis dreidimensionale Ausstellung "Papier mal drei".

© Text Florinda Ke Sophie, Graz 2008

Beispiel 4

Personale "Gegenwind" von Karin Rindler (BRD/Austria)

"Das, was unter der Oberfläche schwelt, was auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, was manchmal genau das Gegenteil von dem ist, was wir wahrzunehmen glauben oder zugeben wollen, das interessiert mich am meisten, das versuche ich umzusetzen.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht immer der Mensch und seine zwiespältige, hintergründige Beziehung zu seiner Umgebung, zu seinen Mitmenschen oder zu sich selbst.

Besonders fasziniert mich das menschliche Gesicht mit seiner subtilen Mimik, wobei ich die betreffenden Personen nicht einfach abbilde, sondern ihrer Ausstrahlung entsprechend inszeniere und damit zu Trägern einer ganz speziellen Botschaft mache" beschreibt die 1950 in Kärnten geborene und in Berlin lebende Künstlerin Karin Rindler ihre Arbeit.

Die Malerin, die auch zugleich Galeristin ist, erhielt für diese Arbeit bereits den Förderpreis der Stadt Salzburg, sowie den Kunstpreis Köpenick. Nach dem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien, besuchte sie die Meisterklasse für freie Malerei und Grafik bei Professor Carl Unger und absolvierte dort ihr Diplom und Meisterjahr. 1975 verlässt sie Österreich um sich in Berlin der Fotografie und dem Film zuzuwenden. Sie arbeitet als Dokumentarfilmerin, Autorin und Redakteurin und erhält als Auszeichnung ein Drehbuchstipendium der FFA Berlin. Ab 2003 nimmt sie die Malerei wieder neu auf und ist ab 2005 ausschließlich als freischaffende Künstlerin tätig. Ihre Ausstellungen führen sie nach Hamburg, Paris, Wien, Bonn, Meißen und in diesem Jahr nach Graz. Karin Rindler betreibt die Galerie am Gierkeplatz und ihr Atelier in Berlin- Charlottenburg.

Talent und jahrelange professionelle Schulung verschmelzen in Karin Rindlers Werken zu gekonnt provokanten Aussagen, die so lebendig wirken, als wären sie für eine Sekunde eingefrorenen. Ein Blick, eine Bewegung, als wäre ihre Malerei eine Zeitmaschine, mit der man durch ihre kritischen Sichtweisen und unseren Alltag reist, welchen sie unermüdlich aufs Neue ventiliert. Ihr Duktus ist Bewegung, die sie anhält, ein stop-and-go, als wären ihre Bilder ein Slow Motion Film, der nur unterbrochen wird, um das Objektiv der Kamera neu einzustellen, den Blick zu schärfen. Karin Rinder malt gesellschaftlich relevante Inhalte figurativ, ohne einen Anspruch auf Fotorealismus erheben zu wollen. Ihre Bilder schweben viel mehr in sich selbst, durch eine gekonnte Technik die Ihresgleichen suchen kann. Der Farbeinsatz gleicht einer Diffusion, weil sich das Figurative mit dem nebulösen vermischt. Die Ausstellung "Gegenwind" zeigt daher, was Karin Rindler selbst als eine "Zweite Ebene der Wahrnehmung" bezeichnet und uns unvermeidlich einen Röntgenblick aufsetzt, von dem wir nicht wissen, ob wir ihn haben wollen, weil er uns so ungestüm wie ein starker Wind ins Gesicht bläst, das man die Luft anzuhalten geneigt ist, denn ihr Malstil ist so bestechend wie auch unbestechlich.

Um es mit den Worten der Künstlerin zusagen:
"Wir täuschen uns selbst und andere immer wieder und meist nicht deshalb, weil wir etwas Unlauteres oder gar Böses im Schilde führen, sondern weil wir alle einen Hang zu einer gewissen mentalen Trägheit haben, zu einer satten Bequemlichkeit, die unsere Sinne abstumpft und unsere Empathie zerstört. Ich möchte diese Empathie wieder wecken und die Sinne schärfen für Dinge, an die wir uns gewöhnt haben und die keineswegs in Ordnung sind!"

© Text, Florinda Ke Sophie, Graz 2009, Zitate Karin Rindler, Berlin

Beispiel 5:

Personale "Formen und Linien" des Skulpteurs Werner Pirker (Kärnten)

Geprägt durch die malerische Landschaft in Oberkärnten, in welcher der 1979 geborene Bildhauer Werner Pirker aufwuchs, widmet sich der gebürtige Tiroler in seiner Arbeit DEM Werkstoff mit Vorliebe, welcher ihn visuell seit Kindesbeinen an begleitet, den Bäumen und dem Holz. Werner Pirker absolvierte eine 4-jährige Ausbildung für Bildhauerei in Elbigenalp und ist seit 2004 als freischaffender Bildhauer in dem Ort Berg in Kärnten tätig. Seine Ausstellungen und die Teilnahme an Bildhauer-Symposien liegen mit dem Schwerpunkt in Kärnten und Tirol. Sie führten ihn aber unter anderem auch nach Kassel in Deutschland, nach Italien, Wien und in diesem Jahr erstmalig nach Graz. Ein besonderes Können bewies er in seinen leider vergänglichen Werken aus Schnee bei der Mitgestaltung der Schneebühnen in Lech in Vorarlberg, der "größten Weihnachtsgrippe der Welt" in Aguntum in Osttirol, der Gestaltung "Die Reise der Pinguine" im Pitztal in Tirol, sowie beim Erschaffen von Schneeskulpturen im osttiroler Schigebiet Silian.

In Graz präsentiert uns Werner Pirker unter anderem eine an schlanker Ästhetik kaum zu übertreffende "Venus" aus Nusswurzelholz, welche wie aus dem Boden, aus Mutter Erde gewachsen erscheint. Aus den Formen und Linien, welche das Holz naturgemäß im langsamen und stetigen Prozess des Wachstums entwickelt, schält er das für sich Wesentliche, das unter der hölzernen Rinde bislang ruhende, für sich heraus. Diese Figur verführt den Betrachter zum Wunsch nach Berührung, wie auch die Skulptur aus Birkenholz "Illusionen" das Bedürfnis nach sensitiver Auseinandersetzung weckt. Man möchte die Hand ausstrecken und berühren, was sich geschwungen und fein geschliffen einem als optischer Genuss entgegenstellt.

Die Stele "Leitfaden" zelebriert eine Erkenntnis, wie Werner Pirker über sie sagt: "Jedes Leben leitet sich in irgendeiner Weise von selbst. Durch verschiedene Situationen oder Begegnungen sind Veränderungen unausweichlich. Diese sind durch Richtungsänderungen und Durchbrüche in Form eines Seiles dargestellt." Anknüpfend an diesen Gedanken erscheinen die meist solitär gestalteten Figuren und Objekte Werner Pirkers wie eine Transformation des Materials aus dem sie geschaffen sind, gleichermaßen als das Abbild eines nach Ausdruck und Wachstum unermüdlich suchenden Einzelwesens, das sich mit dem, was ihn täglich umgibt, vollends identifiziert. Der solitäre Baum steht in seiner Umwelt und wächst. Er ist verwurzelt mit der Erde, die ihn nährt, kann seinem Standort und seiner Bestimmung nicht entfliehen. Er ist unumstößlich bis zu dem Tag, an dem er fällt, sei es durch Naturgewalt, durch Menschenhand oder, weil seine Zeit zu gehen, gekommen ist. Solange strebt er in die Höhe und verbindet sich mit dem, was über unserer menschlichen Größe liegt, dem Himmel.

In mannigfaltigen Variationen lebt der Künstler sein Vorbild. Er nährt sich innerlich vom Boden seiner Heimat, in dem er den Baum auswählt, den er bearbeiten will. Das gibt ihm Kraft, die sich als Inspiration darstellt. Das Holz, welches in sich Bilder verbirgt, Maserungen, Formen und Linien ist metaphorisch seine Nahrung. Unumstößlich wie ein Baum, der mit seinen Wurzeln lebensnotwendige Informationen durch Erde, Regenwasser und Mikroorganismen in sich aufsaugt um wachsen zu können, lebt der Künstler seinen Willen zu kreieren und Neues aus altem zu erschaffen um sich mit der Höhe zu verbinden, die ihm seine künstlerische Begabung als Wachstumsfaktor in die Wiege legte.

© Text Florinda Ke Sophie, Graz 2009

Beispiel 6:

Personale "SonneWechselhaft & Sturmgefahr" von Peter Bernthaler (Wien)

"SonneWechselhaft & Sturmgefahr" lautet unter Bezug auf die in der Bild-Auswahl herrschenden unterschiedlichen Bild-Temperamente, der Titel der Ausstellung des Malers Mag. Peter Bernthaler. Er wurde 1967 in Wien geboren und absolvierte später das Studium der Kunstgeschichte und Publizistik mit dem Schwerpunkt Journalismus an der Universität Wien. Durch seine Arbeit als Journalist für diverse Medien ist er mit den Themen Politik, Medizin und Wirtschaft, bevorzugt aber mit Kultur- und Ausstellungsbeiträgen befasst. In seiner freien Zeit widmet sich Bernthaler seit seiner Jugend kontinuierlich der Malerei und Grafik. Er unternimmt regelmäßige Ausfahrten in die malerisch-inspirierende Aulandschaft nach Haslau an der Donau und zu anderen Orten, um bspw. mit Tusche und Rohrfeder Landschaftseindrücke zu skizzieren, die er später in Gouache-, Acryl- oder Öl-Bilder umsetzt. Mehr und mehr tritt nach den grafischen Werken, die meist ein Bild-Konzept festhalten oder anreißen sollen, die Malerei in den Vordergrund und wird das Arbeiten mit Öl auf Leinwand zur dominierenden Arbeitsweise. Bernthaler erschafft bevorzugt Stillleben, Landschaften und Figürliches. In den letzten vier Jahren entsteht eine solche Menge an Bildern, dass aus Raumnot einer von zwei Salonflügeln verkauft wird, um im Atelier neuen Platz zu schaffen. Er entscheidet sich, seinen Beruf als angestellter Journalist aufzugeben, um sich nur noch der Malerei und Ausstellungstätigkeit widmen zu können.

Wir finden in Peter Bernthalers Werken einen sehr eigenen Duktus wieder, also die charakteristische Art der künstlerischen Formgebung, der Linienführung, welche ihm die intensive und langjährige Auseinandersetzung mit seiner Arbeitsweise attestiert. Sein Stil ist expressionistisch und erinnert an die großen Vorreiter dieser Kunst des frühen 20. Jahrhunderts wie Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Wassily Kandinsky oder Max Beckmann.

Im Expressionismus wird die innere Beteiligung des Künstlers an seinen Motiven anschaulich. Vereinfachte und auf elementare Abkürzungen reduzierte Formen und eine freie, aber subjektive, heftige Farbgebung zeichnen ihn aus. Besonders dieses Element ist in Bernthalers Werk vorzufinden: Er setzt die ganze Palette kräftigster Farben ein und wirft sie mit einem wilden und leidenschaftlichen Strich auf die Leinwand, dieser besondere Strich, der auf eine unbändige Natur schließen lässt und uns verkündet: Ich kann, ich will, ich werde.

Peter Bernthaler lässt uns an seinen eigenen Gedanken zu seinem Werk in folgendem Statement zur Grazer Ausstellung "SonneWechselhaft & Sturmgefahr" teilhaben: "Ich bin überzeugt, dass Menschen in der Mehrzahl ein Bedürfnis nach fassbaren, begreifbaren Inhalten haben - sei es in der Bildenden Kunst generell, in der Musik oder der Literatur. Von daher empfinde ich mich als traditionellen Maler. Die Kunstgeschichte regt sich in mir mit einer Vielzahl an Strömungen. Ich sehe keine Veranlassung, mutwillig in die Diskussion um die Notwendigkeit der Darstellung moderner Inhalte - und ob diese Inhalte notwendig sind - einzugreifen.

Das Gegenständliche, die erkennbaren Inhalte in einem großen Teil meiner Malerei sehe ich als Zeichen meiner Verbundenheit mit einer malerischen Tradition, mit der Fortführung einer Bild-Sicht, die sich seit der antiken Malerei bis zur Moderne des beginnenden 20. Jahrhunderts kontinuierlich entwickelt hat. Gegenständlichkeit deswegen, weil die reale Welt mit ihren Erscheinungsformen, die ich in einem bestimmten bildlichen Zusammenhang - also in der Komposition - als schön, als darstellenswert empfinde, so viele Möglichkeiten der Darstellung erlaubt, die sich stärker oder schwächer dem Dargestellten annähern. Hin und wieder abstrahiere ich Formen: Ich variiere dabei entweder ein Vor-Bild aus der Natur oder komponiere farbige Flächen, die die Aufgabe haben, in ein Spannungsverhältnis zur Gegenständlichkeit der Objekte zu treten. Wenn das Abstrakte eine spontan geschaffene Form ohne jegliches Vorbild in der Natur ist, dann bin ich kein abstrakter Maler. Auch da nicht, wo sich kaum oder nur schwer das Gegenständliche sehen lässt. Das Abstrakte, so mein Eindruck, verkommt heute sehr schnell zu großformatiger Wandgestaltung. Abstrakte Bilder sind in vielen Fällen mehr oder weniger gelungene Selbstportraits. Gleichzeitig legen sie vieles offen und verbergen gleichermaßen. Mit der reinen Abstraktion endet die mehr oder weniger willkürliche, gegenseitige Abhängigkeit von Farbe und Form völlig. Die reine Abstraktion stellt den Betrachter im Extremfall vor zwei Möglichkeiten: Alles zu sehen (was er möchte), oder nichts. Die reine Abstraktion ist mit meiner Art von Bild-Idee und künstlerischer Überzeugung kaum vereinbar. Vielleicht sollte ich vorsichtshalber sagen: Noch oder einstweilen kaum vereinbar, weil ich meine künstlerische Entwicklung nicht vorhersehen kann."

© Text Florinda Ke Sophie, Zitat Peter Bernthaler, Graz 2009

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